2010: Susan Rose-Ackerman, “Corruption: Greed, Culture and the State”

Susan Rose-Ackerman, “Corruption: Greed, Culture and the State”
Thursday, 20 May, 19:00 CET
Senatssaal of Humboldt University
Unter den Linden 6, 1. Stock
10117 Berlin
GERMANY

Sponsored by:

The Mosse Foundation
Fritz Thyssen Stiftung
Gerda Henkel Stiftung
Institut für deutsche Literatur
Humboldt University
Mosse Lectures

Mosse lectures summer 2010 Humboldt poster

Description: Was als Korruption zu gelten hat, ist durchaus umstritten. Forschungen zum Begriff der Korruption rühren an grundsätzliche Fragen zum Verhältnis von Staat und Gesellschaft. Um dies zu erkennen, muss man nur die Ansichten der Marktliberalen den Einsichten von Anthropologen gegenüberstellen. Was dem einen als illegales Bestechungsgeld gilt, ist für den anderen eine Zuwendung, die geeignet ist, soziale Beziehungen zu festigen. Der Vortrag wird in einem ersten Schritt die wirtschaftsliberalen und die kulturanthropologischen Auffassungen von Korruption kontrastieren und kritisieren: auf der Ebene der betroffenen normalen Bürger und der kleinen Beamten. In einem zweiten Schritt werden diese Ansätze auf die Korruption „in großem Maßstab“ angewandt, in die das politische Führungspersonal und die multinationalen Unter-nehmen verwickelt sind. Zu zeigen ist ein Paradox: dass nämlich, wenn von Korruption im internationalen Maßstab die Rede ist, die wirtschaftsliberale Position sich gern auf die unver-meidlichen kulturellen Gegebenheiten beruft, während die Anthropologen die Motive von Macht und Gier als zwangsläufig ökonomisch darzustellen versuchen. Rose-Ackerman entwickelt von hieraus ihren Ansatz einer möglichen „demokratischen Legitimität“, mit dem zunächst betont wird, wie Korruption die Fähigkeiten, die Rechtlichkeit und die demokratische Legitimität des Staates durchdringt und unterwandert, gerade dann, wenn sie glauben macht, die Marktwirt-schaft zu fördern oder sich als kulturelle Praxis darstellt. Der Vortrag endet mit einigen Vor-schlägen zur Reform, die darauf abzielen, die demokratischen Regierungen und ihre Institutionen zu stärken.

Susan Rose-Ackerman: ist Professorin für Recht und Politikwissenschaft und Ko-Direktorin des Zentrums für Recht, Ökonomie und Öffentliche Politik an der Law School der Yale University. Ihre Forschungs-schwerpunkte sind Korruption, Verwaltungsrecht, Umweltpolitik sowie Recht und Ökonomie.
Zahlreiche Publikationen; davon sind kürzlich erschienen: From Elections to Democracy: Building Accountable Government in Hungary and Poland (2005); Corruption and Government: Causes, Consequences and Reform (1999, in 15 Sprachen übersetzt). Sie ist Herausgeberin des International Handbook on the Economics of Corruption (2006), Economics of Administrative Law (2007), and Comparative Administrative Law (mit Peter Lindseth, 2010).

Ackerman addresses the audience, seated next to Ulrike Vedder
Ackerman addresses the audience, seated next to Ulrike Vedder

Photo Credit: Niels Leiser for the Mosse Lectures