2010: Juri Andruchowytsch, “Das geopoetische Lexikon: Eine intime Städtekunde Einführung und Gespräch: Sylvia Sasse”/”Reading and Conversation with Sylvia Sasse”

Juri Andruchowytsch, “Das geopoetische Lexikon: Eine intime Städtekunde Einführung und Gespräch: Sylvia Sasse”/”Reading and Conversation with Sylvia Sasse”
Thursday, 4 February, 19:00 CET
Senatssaal of Humboldt University
Unter den Linden 6, 1. Stock
10117 Berlin
GERMANY

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Mosse Lectures

Winter 2009-10 Mosse lectures poster Humboldt University

Description: Ich möchte mehr von dem Buch erzählen, an dem ich gerade schreibe — eine Art »Enzyklopädie meiner Städte«. Dieses Projekt wäre vor allem eine neue Verkörperung meiner langjährigen Geopoetik – einer spezifischen Kreuzung von Literatur und Geographie, meiner persönlichen Version dessen, was Literaturwissenschaftler cognitive mapping nennen.
Die alphabetische Reihenfolge, in der sich die Städte in die Struktur des Buches einfügen werden, erlaubt es, überkommene Hierarchien und Koordinatensysteme aufzubrechen – vor allem die des Raums, denn Detroit wird sich neben Dnipropetrowsk wiederfinden, Izmir neben Kaliningrad, Marburg neben Minsk und Czernowitz neben Chicago. Nicht weniger interessant ist die Möglichkeit, die Zeiten zu vermischen. Und dann vielleicht entsteht daraus eine völlig unerwartete Ganzheit: konzentriert-meditativ, an der Grenze von Roman, Essay, Novelle und Poem, irgendwo in der Mitte zwischen einer fiktiven Autobiographie und einer realen Dokumentation der letzten vier Jahrzehnte dieser Welt.

Juri Andruchowytsch: geboren 1960 in Iwano-Frankiwsk/Westukraine, dem früheren galizischen Stanislau, studierte Journalistik und begann als Lyriker. 1985 war er Mitbegründer der legendären literarischen Performance-Gruppe Bu-Ba-Bu (Burlesk-Balagan-Buffonada). In deutscher Sprache erschienen u.a. im Suhrkamp Verlag: Das letzte Territorium. Essays (2003), die Romane Zwölf Ringe (2005) und Moscoviada (2006). Zuletzt: Engel und Dämonen der Peripherie. Essays (2007) und Geheimnis: Sieben Tage mit Egon Alt (2008).

Sylvia Sasse: Professorin für Slawische Literaturwissenschaft an der Universität Zürich. Habilitation zur Poetik und Philosophie des Beichtens in der russischen Literatur. Publikationen u. a. zur Theorie der Performativität, zur Theatertheorie der Avantgarde und zur zeitgenössischen Kunst und Literatur; aktuelle Forschungsprojekte zur Geopoetik und zur Theorie der »ästhetischen Reaktion« in der russischen Avantgarde. Zuletzt erschien: Geopoetiken. Geographische Entwürfe in den mittel- und osteuropäischen Literaturen. Hg. mit Magdalena Marsza?ek (Berlin 2009).