2009: Hélène Cixous, “Promised Belief – or Life after Life”

Hélène Cixous, “Promised Belief – or Life after Life”

Berlin Mosse Lecture
https://mosselectures.wisc.edu/berlin/

Thursday, 22 January 2009, 19:00 CET

Mosse lectures poster winter term 2008/09 at Humboldt University

Senatssaal of Humboldt University
Unter den Linden 6

1. Stock
10117 Berlin
GERMANY


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Humboldt University Institut für deutsche Literatur

Lecture Description: Ich werde Ihnen die Geschichte des Disputs erzählen, der uns zusammenbrachte, Jacques Derrida und mich, seit vierzig Jahren, der „einzigartige Disput“, wie er es 1998 nannte im Buch H.C. pour la vie, c’est à dire. Ein magischer Disput, sagt er, der sich um die Frage des Glaubens dreht und dessen derridasches Leitmotiv lautet: Puissé-je la croire“.

Vierzig Jahre dachten wir an den Tod an das Leben an den Tod an den Tod an das Leben danach an den Tod, dann an das Leben, nach dem Tod an den Tod nach dem Tod an das Leben ans Weggehen dann ans Zurückkommen, wir kommen davon weg, je weiter weg wir kommen desto näher sind wir seit vierzig Jahren stürzen wir an jedes Fenster es ist der gleiche Sturm, jedes Mal wenn wir davon weg kommen denken wir an den Tod … Lass uns nicht mehr davon reden, würde er sagen, immer wenn wir davon reden geben wir Leben an den Tod, wir wollen nicht mehr davon reden, würde mein Freund sagen, lass uns nicht mehr davon reden.

„Wenn ich ihr nur glauben könnte“. Er würde zu sich selbst beten. Zu sich selbst, an den er nicht glaubte, betete er in der Hoffnung auf Kräftigung (puisser), jenseits der Ohnmacht zu glauben. Was heißt es, um Glauben zu beten? Was ist Beten? Was heißt es, ohne Glauben zu beten? Kann einer denn nicht nicht beten? Da ist etwas am Beten, das unbegreiflich ist. Und doch betet man.
– Warum hat J. D. zu sich selber gebetet, um zu glauben, um somit eine Art Rollenspiel aufzuführen: er den Zweifel, sie das Vertrauen?
– Vielleicht weil…

Lecture Series Description: „Utopia as a disposition carries the heavy burden of the past and the even heavier burden of the future.“ Robert Musil counters with his „sense of potentiality“, „the as yet unborn potential realities“, „a thread that one pulls through the water without knowing whether any bait is attached to the end“. This lightness of being is as indispensible to life as it is seductive.

How much weight then can art and literatur carry? How real is their sense of potentiality 100 years after Kakania? How acute is their knowledge about [or simply: how aware are they of] their dependence on media and their institutional frameworks? Can they conserve and renew their ability to differentiate? What happens to the possibilities of playfulness in human narratives when the virtual realities of technological media define the sense of potentiality?

Hélène Cixous photo by Claude Truong-Ngoc, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16655416
Hélène Cixous photo by Claude Truong-Ngoc, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16655416

Hélène Cixous: French writer and playright, co-founder of the Centre universitaire de Vincennes.

mosselectures Berlin