2009: Jean-Luc Nancy (1940-2021), “Adorer – anbeten, schätzen, bewundern als ontologische Verfassung” / “Adore: To Worship, Cherish, and Admire as an Ontological Constitution”
Jean-Luc Nancy (1940-2021), “Adorer – anbeten, schätzen, bewundern als ontologische Verfassung” / “Adore: To Worship, Cherish, and Admire as an Ontological Constitution”
Berlin Mosse Lecture
https://mosselectures.wisc.edu/berlin/
See also Dirk Pilz, “Baustelle unter offenem Himmel: Welche Kräfte wirken im Untergrund unserer Zeit? Der französische Philosoph Jean-Luc Nancy kommt zu zwei Vorträgern nach Berlin,” Berliner Zeitung (11 February 2009).
Thursday, 12 February 2009, 19:00 CET


Senatssaal of Humboldt University
Unter den Linden 6
1. Stock
10117 Berlin
GERMANY
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Humboldt University
Humboldt University Institut für deutsche Literatur
Lecture Description: Sollte man es wagen, zu behaupten, dass unsere heutige Welt, der es an allem fehlt – an Gerechtigkeit, an Geschichte, an städtischer Lebenswelt, an Herrlichkeit und Sinn – so etwas wie Anbetung nötig hat? Was nachzudenken ist, sei nur dies: wie die Zufälligkeit unserer Existenz sich für eine Anbetung, etwas zu Verehrendes öffnet. Anbetung ohne etwas, das zum Anbeten bestimmt ist? Bloße Annäherungen, nur bruchstückhafte Gedanken sind zu diesem Thema möglich, das keines ist, wenn man wissen will, wo dies anfängt und wie es Gestalt gewinnt. Zumindest eines ist festzuhalten: die Anbetung steht jener Reduktion entgegen, zu der unsere Welt sich verschworen hat in ihren lügnerischen Vergötterungen. Zu entdecken sind nicht die Möglichkeiten einer Theorie, sehr wohl aber der Ansatz einer Praxis, die sich auf nichts anderes bezieht als auf die Wirklichkeit: nicht auf ein machtvolles Reales, sondern auf das Nichts eines einfachen „voici“, auf das, was hier ist, sei es mein Körper, sei es der Punkt, wo er sich ent-fernt und allein in Abwesenheit erscheint.
Lecture Series Description: „Utopia as a disposition carries the heavy burden of the past and the even heavier burden of the future.“ Robert Musil counters with his „sense of potentiality“, „the as yet unborn potential realities“, „a thread that one pulls through the water without knowing whether any bait is attached to the end“. This lightness of being is as indispensible to life as it is seductive.
How much weight then can art and literatur carry? How real is their sense of potentiality 100 years after Kakania? How acute is their knowledge about [or simply: how aware are they of] their dependence on media and their institutional frameworks? Can they conserve and renew their ability to differentiate? What happens to the possibilities of playfulness in human narratives when the virtual realities of technological media define the sense of potentiality?

Jean-Luc Nancy: French Philosopher (1940-2021)
