2023: Dietmar Dath, “Im Staub der Sterne” / “In the Dust of the Stars”

Dietmar Dath, “Im Staub der Sterne” / “In the Dust of the Stars”

Humboldt University Berlin Mosse Lecture
mosselectures.wisc.edu/berlin/

Thursday, 27 April 2023, 19:15 CET

Across the Universe Plakat
Across the Universe flyer
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Auditorium of Tieranatomisches Theater
Philippstraße 13 (Campus Nord, House 3)
10115 Berlin
GERMANY

Sponsored by:
[mosse] LECTURES an der humboldt-universität zu berlin
The Mosse Foundation
Global Mosse Lecture Series
Institut für deutsche Literatur
Humboldt University
arsenal institute für film und videokunst e.V.
Bundesministeriums für Bildung und Forschung

Moderator: Stefan Willer (Humboldt University)

Lecture Description: Das Universum scheint ungefähr so groß zu sein wie alles, was es gibt, zusammengepackt. Wir gehen davon aus, dass dieses Universum in jeder Richtung sich selbst ähnelt und überall aus demselben Zeug besteht: aus viel Nichts mit ein paar Quantenfluktuationen drin, außerdem etwas Staub sowie einigen Rätseln. Darin finden wir Muster. Wie kommen wir aber dazu, über weit entfernte, lang vergangene und möglicherweise zukünftige Muster Behauptungen aufzustellen, Geschichten zu erzählen und Gleichungen zu bauen? Und hat das alles vielleicht sogar damit zu tun, dass eine Gesellschaft, in der über Leute entschieden wird, die dabei nicht mitreden dürfen, leerer als die Leere ist und schmutziger als der staubigste Dreck?

Lecture Series Theme: Across the Universe. Aktuelle Blicke ins All/Across the Universe: Current Views into Space

Lecture Series Description: Der Blick ins Weltall ist so alt wie die Menschheit. Geändert haben sich die Techniken, Interessen und Fragestellungen, welche mit diesem Blick verbunden sind. Die globalen ökologischen, sozialen und pandemischen Krisen, mit denen wir aktuell konfrontiert sind, schärfen das Bewusstsein für das Ganze und verleihen der Frage nach dem Verhältnis des Menschen zum Universum eine neue Dringlichkeit. Gegenwärtige Blicke ins All sind sehr vielfältig motiviert; sie stehen im Zeichen wissenschaftlicher Erschließung und politischer Vormachtstellung, dienen ökonomischen Interessen und sind Ausdruck kultureller Ängste, aber auch Visionen des Welt- als postapokalyptischen Lebensraums. Gemeinsam ist ihnen ihre reflexive Struktur. Das gilt für „den bestirnten Himmel über uns“ [Kant] als grundlegende Metapher der neuzeitlichen Philosophie ebenso wie für die enge Verknüpfung des ökologischen Denkens seit den 1960er Jahren mit dem ikonisch gewordenen Bild des „blauen Planeten“ aus der Astronautenperspektive.

Was wir über Planeten und deren Umlaufbahnen, über Raumfahrt, Satelliten und schwarze Löcher wissen, verdanken wir wissenschaftlichen, technischen und vor allem auch ästhetischen Vorstößen in eine nicht nur räumlich, sondern auch epistemisch schwer zugängliche Region. Ohne die in den 1960er Jahren begonnene TV-Serie ›Star Trek‹, Stanley Kubricks Film ›2001: A Space Odyssey‹ [1968] oder die TV-Übertragung der Mondlandung 1969 wäre das Weltall im öffentlichen Bewusstsein wohl nur halb so gut erschlossen.

Die Mosse Lectures möchten die Vermitteltheit und Popularisierung kosmologischen Wissens in den Blick nehmen und nach den Medien und Technologien fragen, mit denen das Universum über die Astrophysik hinaus ästhetisch, kognitiv und affektiv „besiedelt“ wird. Inwiefern werden die der Lebenswelt entrückten, oft unvorstellbaren Dimensionen des Weltalls zu Einsatzpunkten fiktionaler Zugänge? Auf welchen medialen, sprachlichen und ästhetischen Vermittlungsstrategien basiert die astrophysikalische Forschung selbst (historisch und gegenwärtig)? Können künstlerische Bearbeitungen des Universums als Thema dessen grundsätzliche Vermitteltheit, aber auch den Vermittlungsbedarf kosmologischen Wissens in besonderer Weise reflektieren? Wem gehört dieses Wissen eigentlich, und wie lässt sich das Verhältnis zwischen wissenschaftlicher Forschung und öffentlicher Teilhabe am Gegenstand der Kosmologie ausbuchstabieren?

The view into space is as old as mankind. What has changed are the techniques, interests and questions associated with this view. The global ecological, social and pandemic crises with which we are currently confronted sharpen our awareness of the whole and lend a new urgency to the question of our relationship towards the universe. Current glances into space are motivated in many different ways; they are driven by scientific exploration and political supremacy, serve economic interests and are an expression of cultural fears, but also visions of the world as a post-apocalyptic living space. What they have in common is their reflexive construction. This applies to »the starry sky above us« (Kant) as a fundamental metaphor of modern philosophy as well as to the close link between ecological thinking since the 1960s and the iconic image of the »blue planet« from an astronaut’s perspective.

What we know about planets and their orbits, about space travel, satellites and black holes, we owe to scientific, technical and above all aesthetic ventures into a space that is spatially and epistemically difficult to access. Without the TV series ›Star Trek‹, which began in the 1960s, Stanley Kubrick’s film ›2001: A Space Odyssey‹ [1968] or the TV broadcast of the moon landing in 1969, outer space would probably only be half as accessible in the public consciousness.

The Mosse Lectures would like to examine the mediatedness and popularisation of cosmological knowledge and ask about the media and technologies with which the universe is aesthetically, cognitively and affectively »colonised« beyond astrophysics. To what extent can fictional approaches help us imagine the often unimaginable dimensions of the universe? On which media, linguistic and aesthetic strategies of mediation is astrophysical research itself based (historically and currently)? Can artistic approaches to the universe reflect its fundamental mediated nature, but also the need to mediate cosmological knowledge in a special way? To whom does this knowledge actually belong, and how can the relationship between scientific research and public participation in the matter of cosmology be spelled out?

Photo credit: Niels Leiser for the Mosse Lectures

Dietmar Dath: Author, journalist, and translator. Editor of the Arts section for the Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Schriftsteller, Journalist und Übersetzer; Daths Werk umfasst Essays, Kritiken, lyrische und dramatische Texte sowie Beiträge zu gesellschaftspolitischen und wissenschaftlichen Themen; Dath gilt zudem als einer der erfolgreichsten Autoren von Science-Fiction Romanen in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur; das Universum ist häufig Handlungs- und Imaginationsraum seiner Texte: so ist »Venus siegt« [2016] als Sozialexperiment der Zukunft auf dem Planeten Venus angelegt, in »Neptunation. Oder Naturgesetze, Alter« [2019] phantasiert Dath über kosmische Nachbarschaften; 2020 erhielt Dath den Sigfried-Kracauer-Preis für seine Filmkritik »Killermaschinen«.

Stefan Willer has occupied the position of Professor for modern German literature at Humboldt University, Berlin, since 2018. From 2014-2018 he was Professor for Cultural Research at Humboldt. His specialties include literary history, cultural history, and the intersection between music and literature. He has served as visiting professor or lecturer at Ludwig-Maximilians-Universität München, the Technische Universität Berlin, Stanford University, Columbia University, and the École des hautes études en sciences sociales, among others. He is the author of Poetik der Etymologie. Texturen sprachlichen Wissens in der Romantik (2003) and Erbfälle. Theorie und Praxis kultureller Übertragung in der Moderne 2014), as well as editor of several volumes.

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