2008: Moshe Zimmermann, “Jüdisch und/oder demokratisch – Die innerisraelische Wertedebatte in der Gegenwart”/”Jewish and/or Democratic: The Internal Israeli Values ​​Debate in the Present”

Moshe Zimmermann, “Jüdisch und/oder demokratisch – Die innerisraelische Wertedebatte in der Gegenwart”/”Jewish and/or Democratic: The Internal Israeli Values ​​Debate in the Present”
Thursday 31 January, 19:00 CET
Senatssaal of Humboldt University
Unter den Linden 6
10117 Berlin
GERMANY

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Mosse Lectures

Mosse lectures poster for winter term 2007-2008 Humboldt University

Description: Seit 1895 gilt ein Judenstaat als mögliche Lösung der so genannten Judenfrage. Von Anfang an – also seit der Einführung dieser Idee durch Theodor Herzl in den innerjüdischen Diskurs – war die Einstellung zur Demokratie in der zionistischen Bewegung zurückhaltend, weil der Antisemitismus, der ja letztlich den Zionismus hervorgerufen hatte, als eine Stimme des Volkes verstanden werden konnte. Trotz der Balfour-Erklärung von 1917, trotz intensiver zionistischer Propaganda und antisemitischer Politik der europäischen Nationalstaaten und vor allem des „Dritten Reiches“ blieb der jüdische Yischuw, also die vorstaatliche jüdische Gesellschaft, in Palästina bis 1948 eine Minderheit inmitten einer arabischen Mehrheit. In der ersten Phase der Existenz des Staates Israels, also in den Jahren zwischen 1948 und 1967, konnte sich die Idee einer Demokratie im Staate verankern, weil Juden die Bevölkerungsmehrheit stellten. Der gesellschaftliche und politische Diskurs dreht sich bis in die Gegenwart hinein überwiegend um eigentliche oder vermeintliche „jüdische Werte“ und Inhalte und deren Durchsetzung in Staat und Gesellschaft. Hierbei werden über die Frage der Bevölkerungsmehrheit hinaus die eigentlichen Grundwerte der Demokratie hinterfragt, indem ihnen Grundwerte „des Judentums“ gegenübergestellt werden. Der Vortrag zeichnet die wesentlichen Konturen dieser Debatte nach und zeigt die in der israelischen Gesellschaft dominierenden Tendenzen auf.

Moshe Zimmermann: Israeli historian and professor emeritus at the Hebrew University of Jerusalem, where he directed the Richard Koebner Minerva Center for German History from 1986-2012. He specializes in German history from the 18th-20th centuries, including antisemitism and the history of German Jewry. He was awarded the Humboldt Prize in 1993. He has written numerous books, including German Past — Israeli Memory (2002) and Die deutschen Juden 1914-1945 (1997).