2007: Klaus Reichert, “Odysseus und Ulysses. Irrfahrten und Wanderungen von Wörtern und Helden”/”Odysseus and Ulysses: Wrong Turns and Wanderings of Words and Heroes”
Klaus Reichert, “Odysseus und Ulysses. Irrfahrten und Wanderungen von Wörtern und Helden”/”Odysseus and Ulysses: Wrong Turns and Wanderings of Words and Heroes”
Berlin Mosse Lecture
https://mosselectures.wisc.edu/berlin/
Thursday 21 June 2007, 19:00 CET
A version of the lecture can be found in Elisabeth Wagner, Burkhardt Wolf, eds. Odysseen. Mosse-Lectures 2007 (Berlin: Verlag Vorwerk 8, 2008), 64-95. See table of contents below.



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Humboldt University
Lecture Description: Joyce hat von sich einmal gesagt, er habe keine Phantasie, er habe nur Gedächtnis; er sei ein „geschickter Arrangeur“ vorgefundenen Materials. Sein „Ulysses“ ist translatio, Übertragung des homerischen Epos auf allen nur denkbaren Ebenen: der des Namens, vom Griechischen ins Lateinische und Englische, des erzählerischen Verfahrens der Transformation der homerischen Episoden in die Struktur des Romans, vom Mythos in den Dubliner Alltag, Transposition des Heroischen in das scheinbar banale Leben, das dem „Niemand“ namens Leopold Bloom widerfährt. Dabei ruft Joyce ins Gedächtnis, was die Odyssee auch war oder sein konnte: Lust des Erzählens und Sinneslust, so viel Weiblichkeit, die den Mythos perspektiviert, kartographisches Muster der Irrfahrt, das im Aufriß Dublins wiederkehrt, die keineswegs ziellose Wanderschaft und mögliche Heimkehr des Helden, für die man auch einen semitischen Ursprung annehmen konnte. Odysseus/Bloom als Greek-Jew? Faktenversessen bringt Joyce alle nur möglichen Erfindungen der Weltweisheit ins Spiel.

