Humboldt University Mosse Lecture
Sabine Müller-Mall
“Verbotene Körper? Demokratische Sorge und körperliche Selbstbestimmung in Zeiten autoritärer Austerität”/”Forbidden Bodies? Democratic Concern and Bodily Self-Determination in Times of Authoritarian Austerity”
July 9, 2026 19:15 pm CET
With Lothar Müller
Senatssaal of Humboldt University
Unter den Linden 6, 10117 Berlin
The lecture will be held in German.
Description (German): Kämpfe ums Klima spielen sich auch entlang von Ge- und Verboten ab, und zwar in ihrem Verhältnis zu zeitlichen Dimensionen der Freiheit. Das Verbot wird politisch als Gegenspieler gegenwärtiger Freiheit stilisiert, während die Schonung künftiger Freiheit als rechtliches Gebot verstanden wird. Das Bundesverfassungsgericht spannt Freiheit temporal auf, in die Zukunft und wieder zurück in die Gegenwart. Dabei verrechnet es Möglichkeiten künftigen Freiheitsgebrauchs mit gegenwärtigen Freiheiten. Wenn – wie im Falle des Klimas – die Zukunft endlich wird, rücken zeitliche Aspekte des Verhältnisses von Recht und Politik in den Vordergrund. Wie können rechtliche Formen künftige Freiheit einbeziehen? Wie können wir Freiheitsfragen ins Verhältnis zu temporalen Dimensionen setzen? Und warum zeigen sich solche Fragen ausgerechnet an der Gegenwart konkreter Verbote?
Description (English): Struggles over the climate also unfold along the lines of rights and prohibitions, specifically in relation to the temporal dimensions of freedom. Politically, prohibition is portrayed as the antithesis of present-day freedom, while the preservation of future freedom is understood as a legal imperative. The German Federal Constitutional Court extends freedom temporally, into the future and back again to the present. In doing so, it balances the possibilities of future freedom with present freedoms. If – as in the case of the climate – the future becomes finite, temporal aspects of the relationship between law and politics come to the fore. How can legal forms take future freedom into account? How can we situate questions of freedom in relation to temporal dimensions? And why do such questions arise precisely in the context of concrete prohibitions in the present?
Sabine Müller-Mall: Rechtsphilosophin; Professorin für Recht und Philosophie am Center for Critical Computational Studies der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Ihre Forschungsinteressen gelten der Rechtsphilosophie, Verfassungstheorie und dem Verfassungsrecht. Gegenwärtig forscht sie insbesondere zur Rechtsnormativität, zur Theorie des Urteilens und zum Verhältnis zwischen Recht und Ästhetik sowie zu grundlegenden rechtlichen und politischen Fragen, die sich aus dem Einsatz computergestützter Techniken ergeben. 2020 erschien der Band »Freiheit und Kalkül. Die Politik der Algorithmen« bei Reclam. Ihr jüngstes Buch, in dem sie sich mit dem Einfluss von Gerichtsurteilen auf Verfassungsentwicklungen beschäftigt, wurde 2023 unter dem Titel »Verfassende Urteile. Eine Theorie des Rechts« bei Suhrkamp veröffentlicht.
Legal philosopher; Professor of Law and Philosophy at the Center for Critical Computational Studies at Goethe-Universität Frankfurt am Main. Her research interests include the philosophy of law, constitutional theory, and constitutional law. She is currently conducting research, in particular, on legal normativity, the theory of judgment, and the relationship between law and aesthetics, as well as on fundamental legal and political questions arising from the use of computer-based technologies. In 2020, the book »Freiheit und Kalkül. Die Politik der Algorithmen« was published by Reclam. Her most recent book, in which she examines the influence of court rulings on constitutional developments, was published in 2023 by Suhrkamp under the title »Verfassende Urteile. Eine Theorie des Rechts.«